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 29.04.2012  

WoMenPower 2012
Gender Equity – eine Illusion?

Mixed Leadership, Diversity, Gender Equity und Quote beschäftigten auch dieses Jahr über 1.000 BesucherInnen in den zahlreichen Workshop-Angeboten des 9. WoMenPower-Kongress. Hat sich nichts geändert? Oder zu wenig? Oder haben wir es nicht verstanden, die Männer mit ins Boot zu nehmen, wenn das Thema "Frauen in Führungspositionen" auf der Agenda steht?


Ernst & Young (ey) stellte genau dieses Thema mit "Engaging Men in Gender Initiatives" zur Diskussion. Welche Strategien und Erfahrungen gibt es bei der erfolgreichen Umsetzung von Gender Equity bzw. wie kann man Mixed Leadership zur gemeinsamen Sache machen? Dass die Einbindung von Männern bisher Illusion geblieben ist, bewies erneut die Besucherstruktur der diesjährigen WoMenPower. 95 Prozent der Teilnehmer waren weiblich! Und das obwohl der von der Hannover Messe gewählte Name unmissverständlich beide Geschlechter addressiert.

 Diskutiert wurden Ansätze wie Corporate Wording (ey: "Das Nullsummenspiel, welches das Geschlechterverhältnis als "Win-loose"-Szenario (wo Frauen gewinnen, verlieren Männer) darstellt, muss aufgelöst werden... ), Flexibilisierung von Arbeitszeiten bspw. mit Job-Sharing oder Dual Career als Anreiz für internationale Entsendungen. Um den Erfolgsfaktor Diversity ging es auch bei den zukünftigen Herausforderungen der Medien, moderiert von Erfolgs-Coach Sabine Asgodom. Eine andere Qualität der Quotendiskussion forderte u.a. Ines Pohl, Chefredakteurin der taz. Sie sei stolz, eine Quotenfrau zu sein, ermunterte sie ihre Kolleginnen auch im Rahme der Pro Quote – Aktion der Journalistinnen. Wer so selbstbewusst auftritt wie Ines Pohl, braucht die männliche Diffamierung nicht zu fürchten.

 Mit Best Practices für erfolgreiche Mixed Leadership-Instrumente beschäftigte sich die Podiumsdikussion, die von Gabriele Hantschel, Vorsitzende der Helga Stödter-Stiftung und Services Managerin IBM Deutschland GmbH, moderiert wurde. Die Podiumsteilnehmerinnen, gestandene Managerinnen von Bosch, Rolls-Royce, Ernst & Young sowie IBM, haben offensichtlich alles richtig gemacht. Ihr Maßnahmenkatalog reicht von Nachwuchsförderung (Stichwort Girls' Day), zielgruppenspezifisches Recruiting, Mentoring, innerbetrieblichen Netzwerken sowie Kinderbetreuung und Flexibilisierung von Arbeitszeiten. Der gesetzlichen Quote steht man eher skeptisch gegenüber. Bei IBM spricht man lieber von Zielvereinbarungen. Trotz aller vorgestellten Maßnahmen sind die Resultate immer noch bescheiden. Daher war auch die abschließende Frage von Gabriele Hantschel gerechtfertigt: Wo stehen wir in fünf Jahren beim Thema Mixed Leadership? Der verbreitete Optimismus der Managerinnen machte Mut. Ob das ihre männlichen Kollegen auch so sehen, wurde leider nicht kommuniziert.


 

(Karin Bäck Chefredakteurin)

  • Tags:
  • Mixed Leadership
  • Diversity
  • Gender Equity
  • Quote

 

 

1 Kommentar »

01.05.12 19:23 Uhr
desillusionist
Gender Equity??
"Oder haben wir es nicht verstanden, die Männer mit ins Boot zu
nehmen, wenn das Thema "Frauen in Führungspositionen" auf der Agenda steht?"

War die Frage ironisch gemeint?

Falls es überhaupt eine Frage war, richtet sie sich an 60-, 45- oder 30-jährige? Auch an Männer?

Wie kann man überhaupt heute noch so eine Frage stellen?

Nach meinen unmaßgeblichen Beobachtungen (klar, jeder lebt in seinem eigenen Mikrokosmos) waren vor 10 Jahren noch bedeutend mehr Männer im Boot, aber die meisten sind systematisch vergrault worden. Inzwischen denken "die Männer" - ich weiß, Gefahr unzulässiger Verallgemeinerung - beim Thema Gender Equity eher daran, was gegen die Benachteiligung von Männern getan werden könnte. Christoph Kucklick hat kürzlich einen sehr lesenswerten Artikel in der Zeit "Das verteufelte Geschlecht" publiziert, steht komplett im Netz. Der Artikel beschreibt sehr gut, wie sich die Lage aus männlicher Sicht grundsätzlich darstellt. Dazu passend werden Frauen seit mindestens 20 Jahren bei allen erdenklichen und unerdenklichen Gelegenheiten gefördert, von der Kindheit bis zur Karriere. Ständig liest man in der Zeitung von neuen Aktionen, und wie erfolgreich alle Aktionen sind. Man steht vor einer ganzen Industrie, die Zehntausende beschäftigt. Nach wenigen Jahren und ersten eigenen Erfahrungen nimmt man die Frauenförderindustrie unterbewußt nur noch Benachteiligungsmaschinerie wahr.

...... "das obwohl der von der Hannover Messe gewählte Name
unmissverständlich beide Geschlechter addressiert."

Oh Gott, war das ernst gemeint? Hat allen Ernstes jemand von der Hannover Messe geglaubt, das würde Männer ansprechen? In der Marketing-Vorlesung lernt man bekanntlich, wie wichtig Marken sind. Veranstaltungen, die women oder power oder ähnliche Terme in beliebiger Folge im Namen haben, gerne auch mit großem M in der Mitte, werden intuitiv sofort der Frauenförderindustrie zugeordnet. Wenn man(n) trotzdem das Programm auch nur kurz überfliegt (Gendersensibilisierung ... Engaging Men in Gender Initiatives ... mehr Frauen in Führungspositionen .. gläserne Decke .. Karrierealternativen für Frauen ... Megatrend Frauen) ist nach ungefähr 2 Sekunden der Zweck der Veranstaltung hinreichend klar. Die 950 Frauen sind ja auch nicht unzufällig gekommen.


Im Grunde ist die Entwicklung sehr bedauerlich. Vor 10 oder 20 Jahren war Frauenförderung eine Konsequenz davon, gerechter zu sein und allen gleiche Chancen zu bieten. Inzwischen ist viel passiert. Die Frauenbewegung hat unglaublich viel moralischen Kredit verspielt, weil immer wieder mit getürkten Statistiken argumentiert wurde (u.a. das legendäre 23% gender pay gap). Die fortwährende "positive Diskriminierung" stellt sich auf Dauer nur als Diskriminierung, sprich legale Form von Unrecht heraus. Alles zusammen hat eine neue gesellschaftliche Frontlinie erzeugt. Ich kenne eine Reihe von eher jungen Männern, für die die Quotenfrau ein echtes Feindbild ist.

Die Frage nach den Männern im Boot braucht man jedenfalls nicht mehr zu stellen.
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