Bonner Frauenmuseum
Schwarze Schokolade
Passend zur Jahreszeit eröffnet das Bonner Frauenmuseum am 16.12.2012 die RETRAKTUELL der Berliner Künstlerinnengruppe „Schwarze Schokolade“. Allerdings: Es gibt keine Schokoweihnachtsmänner – wohl aber Eintrittskarten aus Schokolade. Mit dieser Sonderedition ‚Schwarze Schokolade‘ sind die Künstlerinnen ironisch in eine der letzten Männerbastionen vorgedrungen: Die Zeiten der Herrenschokolade sind vorbei…
Die Kuratorin Chris Werner dazu: „Die Ausstellung „Schwarze Schokolade“ markiert den Stellenwert der feministischen Kunstszene in Berlin in den 80erJahren. Es ist an der Zeit, die Gruppe „Schwarze Schokolade“ auch in der Kunstgeschichte angemessen zu dokumentieren. Gleichzeitig entstanden während der Ausstellungskonzeption viele Fragen: In welchen Kontexten arbeiten die Künstlerinnen heute? Welche Spuren hat diese bewegte Aufbruchszeit in ihren Werken hinterlassen? Die Vorbereitung der Ausstellung war daher auch eine sehr produktive ‚Wiedervereinigung‘ der Gruppe.“
Die Künstlerinnengruppe „Schwarze Schokolade“ bespielte zuerst das gesamte Gebäude und war nach der Renovierung 1986 durch die IBA - die Internationale Bauausstellung - auf ihrer „Kunstetage“ hier zu Hause. Die Ausstellungen und Aktionen waren frech, radikal und international. Zu ihren Ausstellungen lud die Gruppe die wichtigsten Künstlerinnen der Republik ein. Legendär sind die Aktionen im Frauensommer 1982. Zum Beispiel die spektakuläre multimediale Performance „Nebelwanderung“, die auf dem Berliner Mariannenplatz in Kreuzberg bei Vollmond und später 1987 in Kassel parallel zur documenta (Group Art) aufgeführt wurde. Ein 20 x 20 m großes, transparentes Plastikkissen wurde mit Nebelbergen gefüllt und war atemberaubend beleuchtet. An der Performance waren fast alle Künstlerinnen der Gruppe in ihrer jeweils eigenen Sparte beteiligt: Künstlerische Konzeption, Film, Malerei, Kostüm, Maske, Sound, Livemusik, Akustik…
Gründerinnen der Gruppe waren Lisa Lancelle, Chris Werner und Rotraud von der Heide. Prägend waren und sind: Roswitha Baumeister, Claudia Schmidt, Petra Baumgart, Renate Hampke, Ute Wigand, Susanne Muel, Gerda Leopold, Hella Utesch, Ursula Bierther und die Kooperation mit ihrem Künstlerinnenort „Pelze“.
Ende der 80er Jahre zog es viele von ihnen in die weite Welt - nach New York, Wien und in den Süden der Republik. Eine gemeinsame Ausstellungstätigkeit ließ sich seither nur noch sporadisch realisieren.
In der Bonner Ausstellung sind Projekte und Werke zu sehen von: Lisa Lancelle (*1950, † 2000), Chris Werner, Rotraud von der Heide, Renate Hampke, Roswitha Baumeister, Ursula Bierther, Claudia Schmidt, Petra Baumgardt, Ute Wigand, Monika Funke, Katharina Karrenberg, Catharina Cosin, Gerda Leopold, Susanne Muel, Anne Jud, Doli Hilbert, Kirsten Wlotzke, Ingrid Scheiffert und der Schokofabrik Berlin-Kreuzberg. Gastbeitrag von Pietro Pellini – „Hommage an Lisa Lancelle“.
Mehr zu den einzelnen Künstlerinnen und der Gruppe unter: www.schwarzeschokolade.de
Die Ausstellung ist vom 16. Dezember 2012 bis 8. März 2013 zu sehen.
Es erscheint ein Katalog.
Di. – Sa. 14.00 – 18.00 Uhr sowie So. 11.00 – 18.00 Uhr
PROGRAMM:
Chris Werner: Schokolade-Zeit Retraktuell
Renate Hampke: Mise-en-Scene
Rotraud von der Heide: Die Wüste lebt
Helga Röhle: 30 Jahre Frauenzentrum-Kreuzberg
Claudia Schmidt: Mitmachaktion
Sonja Grimm: The longing of a single spore
Alice Eßer: Frisch aufgelegt – Chansons
The Sneadles: USELESS PENIS RIOT
(Redaktion)
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