Studie
Anstehende Beförderung aufgrund Schwangerschaft gestrichen
Mutterschaft und Karriere sind in Deutschland noch nicht selbstverständlich, wie die Karrierestudie zeigt: Bei 73 Prozent der Mütter wurden anstehende Karriereschritte während der Schwangerschaft auf Eis gelegt oder gestrichen. Anstehende Gehaltserhöhungen wurden bei 48 Prozent der Befragten während der Schwangerschaft nicht realisiert oder nur in verminderter Höhe umgesetzt. Knapp ein Drittel der Mütter erklärte, die Einstellung ihrer Vorgesetzten gegenüber schwangeren Mitarbeiterinnen sei negativ.
An der Fachhochschule Frankfurt (FH FFM) liegen die Ergebnisse der 1. Frankfurter Karrierestudie „Karriereperspektiven berufstätiger Mütter“ vor. 1.801 Frauen haben sich im Sommer 2010 an der Onlinebefragung beteiligt. Die Teilnehmerinnen sitzen in Fach- und Führungspositionen und geben so einen differenzierten Einblick in die Karrierebedingungen und -perspektiven berufstätiger Mütter in Deutschland. Prof. Dr. Yvonne Ziegler und Prof. Dr. Regine Graml, Professorinnen am Fachbereich 3: Wirtschaft und Recht der FH Frankfurt, führten die Studie durch.
Ihre aktuelle Situation beschreiben viele berufstätige Mütter mit Aussagen wie „Fehlendes Zutrauen der Vorgesetzten in die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft von Müttern“ oder „Kinder als großes Karrierehindernis“. Dabei sind berufstätige Mütter beruflich ambitioniert und leistungsbereit. Für 42 Prozent der befragten Mütter sind Familie und Beruf gleich wichtig. Die Frauen nehmen jedoch häufig wahr, dass ihre berufsrelevanten Kompetenzen durch Pauschal- oder Vorurteile untergraben werden. Neben einem Bewusstseinswandel und organisatorischen Verbesserungen wünschen sich 82 Prozent noch mehr qualifizierte Teilzeittätigkeiten. Das bedeutet auch das Arbeiten nach Zielvereinbarungen und nicht nach Anwesenheit, so dass Karriere in Teilzeit machbar wird.
Der Wunsch, weiterhin attraktive Aufgaben zu erhalten und die Angst vor
möglichen Karrierenachteilen oder vor einem Arbeitsplatzverlust
verkürzen die Dauer der von den Müttern genommenen Auszeit. Ein Drittel
der Mütter pausiert nur bis zu sechs Monaten, die Hälfte zwischen 7 und
24 Monaten. Nach Mutterschutz und Elternzeit ist die Mehrheit der
Befragten (68 Prozent) zu ihrem alten Unternehmen zurückgekehrt. 26
Prozent haben ihre alte Position nicht wieder übernehmen können.
Durch den demografischen Wandel zeichne sich schon heute der
ursprünglich für das Jahr 2020 prognostizierte Akademikermangel ab, sagt
Ziegler. Aus diesem Grund gewinne das Thema Karriereperspektiven
berufstätiger Mütter für Unternehmen in Deutschland zunehmend an
Bedeutung. Sie seien immer mehr darauf angewiesen, einen höheren
Frauenanteil in Führungs- und Kontrollorganen anzustreben. „Um einen
höheren Frauenanteil zu erhalten, müssen sich die Unternehmen verstärkt
mit der Karriereentwicklung von berufstätigen Müttern auseinandersetzen.
Es sollte nicht weiter die Frage ‚Karriere oder Kinder?’, sondern die
Aussage ‚Karriere und Kinder!’ im Vordergrund der Planung stehen“,
ergänzt Graml.
Kontakt:
FH FFM, Fachbereich 3: Wirtschaft und Recht, Prof. Dr. Yvonne Ziegler, E-Mail: dekanin-fb3@dek3.fh-frankfurt.de, Prof. Dr. Regine Graml, M.A., E-Mail: graml@fb3.fh-frankfurt.de
(Redaktion)
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Tags:- Karriereschritt
- Mütter
- Schwangerschaft
- Gehaltserhöhung
- Streichung
Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1, 2 © FH Frankfurt

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