IVAM
5. NRW Nano-Konferenz in Dortmund
Längst kommen sie in Sportsocken, Autolacken und in der IT zum Einsatz: Nanopartikel machen Textilien frischer, Lacke kratzfest und die Kommunikation schneller. Doch was passiert, wenn Menschen mit Nanomaterialien in Kontakt kommen? Und welche Auswirkungen haben Nanopartikel auf unsere Umwelt? Den neuesten Stand der Sicherheitsforschung und aktuelle Fragen diskutieren Kapazitäten aus Wirtschaft und Wissenschaft vom 18. bis 19. September bei der 5. NRW Nano-Konferenz in Dortmund.
Die aktuellen Entwicklungen der Nanotechnologie sind vielversprechend,
aber welche Risiken diese bergen, ist so schwer zu ergründen wie die
winzigen Nanopartikel selbst. „Hier geht es um die Sicherheit vor allem
von Nanopartikeln, die weltweit in immer mehr industriellen Produkten
zum Einsatz kommen“, erklärt Dr. Jürgen Schnekenburger. Der Leiter des
Biomedizinischen Technologiezentrums an der Universität Münster spricht
von Partikeln, die zwischen einem und hundert Nanometer groß sind. Ein
Nanometer ist das Milliardstel eines Meters, schon der Durchmesser
eines menschlichen Haares ist 1.000 Mal größer.
Kein Anlass, das Risiko von Nanomaterialien zu dramatisieren
Im Bereich der industriellen Anwendung sieht Schnekenburger derzeit
„absolut keinen Anlass, das potenzielle Risiko von Nanomaterialien zu
dramatisieren.“ Jedoch müsse man vorausschauend handeln und die
Sicherheit bei der Verwendung von Nanopartikeln heute erforschen, um für
die Zukunft gewappnet zu sein.
Hier ist sich die „Expertengruppe Sicherheit“, die sich für die 5. NRW
Nano-Konferenz gebildet hat, einig: „Fehler, die man mit anderen
Technologien oder Materialien gemacht hat, wollen wir bei der
Nanotechnologie nicht wiederholen.“ Deshalb richten die Akteure ihre
Forschung von Anfang an auf die Sicherheit aus, um Nanomaterialien
vernünftig einschätzen zu können.
Risiko ist nicht gleich Giftigkeit
An einem Punkt stehen die Forscher noch am Anfang: Nur wenige
Nanopartikel sind auf ihre Aktivität im Kontakt mit Mensch und Umwelt
untersucht worden. „Nanopartikel werden als ‚biologisch aktiv‘
bezeichnet, wenn Zellen auf sie reagieren. Nur dann können sie überhaupt
eine Wirkung auf den Menschen haben“, erläutert Schnekenburger.
Hierbei ist es wichtig, zu wissen, dass Risiko nicht gleich Giftigkeit
bedeutet: „Um das Risiko beim Umgang mit Nanomaterialien zu beurteilen,
muss neben der Toxizität auch die Exposition beachtet werden – also die
Dauer und Intensität des Kontakts mit dem Menschen“, so Schnekenburger.
Winzige Teilchen mit riesiger Oberfläche
Die Bewertung, ob etwas giftig ist, ist immer an Tierversuch-Modelle
gebunden. „Es gibt leider noch kein Zellkultur-Modell, das dies ersetzen
kann“, berichtet Schnekenburger. Daher testen die Forscher in
Zellkulturen zunächst, welche Nanopartikel überhaupt eine Reaktion
auslösen. Nur diese sollen zukünftig im Tierversuch weiter untersucht
werden. Anschließend geht es um das Verständnis der toxikologischen
Wirkung von Nanomaterialien: Was verursacht biologische Wirkung? Welche
Eigenschaften der Partikel sind dafür verantwortlich?
Eine weitere aktuelle Fragestellung lautet: Was passiert eigentlich an
der Oberfläche der Nanopartikel? Denn im Vergleich zu ihrer winzigen
Größe besitzen Nanopartikel eine riesige Oberfläche. Nimmt man ein Gramm
von ihnen und rollt die gesamte Oberfläche aller Partikel flach aus,
dann würde ihre Oberfläche 250 bis 300 Quadratmeter bedecken. „Wir
wissen, dass diese riesige Oberfläche andere Materialien aufnimmt – zum
Beispiel Fette, Proteine oder Zucker. So entsteht ein besonderer
Überzug, der verschiedene Wirkungen verursachen kann“, erläutert
Schnekenburger. Diese gilt es nun zu erforschen.
Alle Forschungsergebnisse für die Öffentlichkeit
Darüber hinaus bietet die „Expertengruppe Sicherheit“ bei der 5. NRW
Nano-Konferenz einen kurzen Überblick über die aktuelle Datenlage zur
Sicherheitsforschung. Dazu gehört unter anderem das Projekt „DaNa“: Hier
bietet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine
Online-Datenbank, in der sich Interessierte über die einzelnen Stoffe
informieren oder Wissen zu Themen wie Verhalten, Risiko oder Exposition
abrufen können. „Alle Forschungsergebnisse werden hier einer breiten
Öffentlichkeit zugänglich gemacht“, erläutert Schnekenburger. „Ein
wesentlicher Schritt für den objektiven und sicheren Umgang mit
Nanomaterialien.“
Nordrhein-Westfalen ist ein wichtiger Standort für die
Sicherheitsforschung der Nanotechnologie: Hier sind z.B. zahlreiche
Forschungsinstitute, Hochschulen und Unternehmen am BMBF-Projekt
„NanoGEM“ beteiligt. Für eine Risikoabschätzung tragen die Beteiligten
Daten zum internen und externen Kontakt von Nanopartikeln mit Organismen
zusammen.
Info-Kasten:
5. NRW Nano-Konferenz in Dortmund
18. – 19. September 2012
Veranstaltet wird die 5. NRW Nano-Konferenz vom 18. bis 19. September
im Kongresszentrum der Westfalenhallen Dortmund vom
Innovationsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit der
Wirtschaftsförderung Dortmund und dem Cluster NanoMikro+Werkstoffe.NRW.
Partner der Konferenz sind die MST.factory dortmund und der IVAM
Fachverband für Mikrotechnik.
Anmeldung und Programm siehe http://www.nrw-nanokonferenz.de.
(Redaktion)
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Tags:- Nanopartikel
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