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 21.12.2011  

Bild der Wissenschaft
Mathe keine naturgegebene Männersache

„Ich bin zu schön für Mathe“ – diesen Slogan gibt es sogar auf einem T-Shirt für Mädchen. Mathematik sei eher Männersache – so das Klischee und auch einige Untersuchungen schienen diese Regel bisher zu untermauern. US-Forscher sagen nun: Der gekonnte Umgang mit Zahlen und Logik hat nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern vielmehr mit Gleichberechtigung.

Von Marion Martin

Der Mathematiker Jonathan Kane und die Medizinerin Janet Mertz sind bei ihrer Studie erneut der Frage nachgegangen, ob es tatsächlich einen angeborenen Unterschied bei der mathematischen Begabung zwischen Männern und Frauen gibt. Einige Untersuchungen haben bisher belegt, dass Männer durchschnittlich etwas bessere Leistungen in Mathematik zeigen. Dabei blieb aber immer die Frage offen, ob dieser Unterschied biologisch bedingt ist oder durch die Kultur geprägt wird. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben Kane und Mertz nun die Mathematik-Kenntnisse aus umfangreichen Datensammlungen vieler unterschiedlicher Staaten miteinander verglichen. „Es war erstmals eine kulturelle Analyse möglich“, erläutert Janet Mertz. „Ein solcher Vergleich fehlte bisher, da vor allem viele nicht-westliche Länder in den Studien zum Bildungsstand ihrer Bevölkerung fehlten.“ Die Forscher konnten nun bei den Daten ein besonderes Augenmerk auf Ausbildung allgemein, Einkommen, Gesundheit und politische Aktivität beider Geschlechter legen.

Dabei stellten sie zunächst ebenfalls fest, dass global betrachtet Männer und Jungen etwas besser in Mathe abschneiden als ihre weiblichen Vergleichsgruppen. Bei der Betrachtung einzelner Länder stießen die Wissenschaftler dabei jedoch auf große Unterschiede, die einen kulturellen Ursprung dieses Unterschiedes nahelegen. Den Analysen zufolge haben sich in vielen westlich geprägten Ländern Frauen immer mehr an das Niveau der Männer angenähert oder gar mit ihnen aufgeschlossen. So stieg allein in den USA der Anteil graduierter Mathematikerinnen in den vergangen 40 Jahren von 5 auf 30 Prozent. Eine Entwicklung, die nach Mertz und Kane gegen eine geschlechtsspezifische Veranlagung spricht. Denn dann müssten geschlechtsspezifische Unterschiede in mathematischem Verständnis in allen Ländern – unabhängig von der Qualität der Ausbildung – gleich sein und dürften sich auch im Laufe der Jahre nicht verändern, so die Wissenschaftler. Die Forscher stellten aber das Gegenteil fest und kommen deshalb zu der Schlussfolgerung: Entscheidend für das mathematisches Verständnis ist nicht das Geschlecht, sondern soziale und kulturelle Faktoren.

Bei mehr Gleichberechtigung sind beide Geschlechter in Mathe besser

Die Auswertungen ergaben auch, dass die Leistungen in Mathematik bei den Frauen klar an das Niveau der Gleichberechtigung in einer Kultur gebunden sind. In männlich dominierten Ländern des Mittleren Osten wie beispielsweise Bahrein oder Oman schneiden Mädchen im Bezug auf ihre mathematischen Kenntnisse vergleichsweise schlecht ab. Die überraschende Erkenntnis der Forscher war aber, dass auch die Jungs in diesen ausgesprochen patriarchalen Kulturen schlechter in Mathe sind: „Wir haben herausgefunden, dass sowohl Jungen als auch Mädchen in Mathematik eher besser abschneiden, wenn sie in einem Land aufwachsen, in denen Frauen gleichberechtigt sind. Das ist neu und wichtig“, sagt Kane.

Jonathan Kane und Janet Mertz (University of Wisconsin-Whitewater; University of Wisconsin, Madison): Notices of the American Mathematical Society, doi: 10.1090/noti790


Mit freundlicher Genehmigung von wissenschaft.de


 

(Redaktion)

  • Tags:
  • Mathematik
  • Forschung
  • Geschlecht
  • Gleichberechtigung

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © wikipedia

 

 

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