ISF München
Frauen wollen Karriere!
Über die Karrierechancen von Frauen in der Wirtschaft wird gegenwärtig intensiv diskutiert. Ob es aber wirklich zu nachhaltigen Veränderungen kommt, steht derzeit noch in den Sternen. Skeptiker wenden oft ein, dass Frauen weniger karriereambitioniert seien als Männer. Dagegen zeigen die neuesten Forschungsergebnisse des BMBF-Projekts „Frauen in Karriere“: Frauen wollen Karriere machen – wenn die Unternehmen für die entsprechenden Bedingungen sorgen.
Über
geeignete Strategien haben sich 150 hochrangige VertreterInnen aus
Wirtschaft und Wissenschaft auf einer Konferenz am 29. Juni bei der SAP
AG in Walldorf ausgetauscht.
Entgegen
weit verbreiteten Annahmen wollen sich Frauen in einer Karriere ebenso
verwirklichen wie Männer. „Aber das Karrierewollen von Frauen bleibt oft
verborgen, weil die Karrierewelt keine adäquaten Bedingungen für sie
bereitstellt“, so Anja Bultemeier, Wissenschaftlerin an der
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg. Durch zunehmenden
Druck aus Politik und Öffentlichkeit ist die Ausgangslage für Frauen in
den Unternehmen jedoch gegenwärtig in Veränderung begriffen: Verkrustete
Strukturen und Denkweisen brechen auf, was zu einer neuen Mobilisierung
führt und das Karriereverhalten der Frauen verändert.
WissenschaftlerInnen des ISF München und der
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg haben die
Karrierestrategien von Frauen und Männern vor dem Hintergrund der
Karrieresysteme in modernen Unternehmen untersucht. Sie greifen dabei
auf umfangreiche empirische Erhebungen in der Elektroindustrie, der
ITK-Industrie und der Bankenwirtschaft zurück. Ihre Forschungsergebnisse
zeigen, dass aus dem Zusammentreffen der Veränderungen im öffentlichen
Diskurs und der gegenwärtigen Umbruchprozesse in den Unternehmen ein
historischer Möglichkeitsraum für die Verbesserung der Karrierechancen
von Frauen entstanden ist. In seiner Diagnose stellte der Leiter des
Projekts, PD Dr. Andreas Boes (Vorstand ISF München), darüber hinaus
einen dringenden Handlungsbedarf in den Unternehmen fest: „Der
Möglichkeitsraum ist kein Automatismus. Zentral ist, dass die
Unternehmen jetzt die Chancen nutzen, um die Karrieremöglichkeiten von
Frauen proaktiv und ganzheitlich zu gestalten.“ So greifen die aktuellen
Diskussionen um die Einführung einer gesetzlichen Quote zu kurz.
Entscheidend ist vielmehr die nachhaltige Veränderung der
Karrieremechanismen in den Unternehmen. „Eine grundlegende Umgestaltung
muss insbesondere an der Versachlichung des Karrieresystems, der
Veränderung der Verfügbarkeitskultur sowie der Förderung von
Karrierewünschen bei Frauen ansetzen“, so Boes weiter.
Hochrangige Führungskräfte der Bosch Engineering GmbH, Deutschen
Postbank AG, Deutschen Telekom AG, SAP AG, Siemens AG und der Taunus
Sparkasse präsentierten bei der Konferenz ihre Konzepte zur Verbesserung
der Karrierechancen von Frauen in der Wirtschaft. Das gemeinsame Credo:
Das Thema „Frauen in Karriere“ muss strategisch in den Unternehmen
eingebunden werden. So hob Dr. Jan Grasshoff (Senior Vice President,
Talent, Leadership & Organizational Design, Global HR) von der
gastgebenden SAP AG in seiner Keynote hervor: „Bei der SAP sind die
Karrierechancen von Frauen mittlerweile ein zentraler Bestandteil
unserer Zukunftsstrategie, mit einer fundamentalen Bedeutung für
Innovation und Wachstum.“
Die strategische Bedeutung zeigte sich außerdem darin, dass ein Großteil
der an der Konferenz beteiligten Unternehmen Vorstandsbeschlüsse mit
klaren Zielwerten zur deutlichen Steigerung des Frauenanteils in
Führungspositionen vorzuweisen hat. Dass die Karrierechancen von Frauen
längst kein „Orchideenthema“ mehr sind, wurde auch daran deutlich, dass
entsprechende Projekte in den Unternehmen direkt beim Vorstand
aufgehängt sind. So besteht bei der Deutschen Postbank AG ein
Lenkungskreis, in dem, neben dem zukünftigen Vorstandsvorsitzenden, vier
weitere Vorstände vertreten sind. „Durch dieses hochrangige Gremium
tragen wir der strategischen Bedeutung des Themas Frauen in Karriere
Rechnung – denn nur mit dem Commitment des Top Managements kann ein
solches Projekt nachhaltig und erfolgreich umgesetzt werden", erläutert
Andrei Frömmer, Abteilungsleiter Führungskräfteentwicklung und
-betreuung der Deutschen Postbank AG.
Für den Ingenieursbereich hingegen unterstrich Juanita Jordan,
Personalleiterin der Bosch Engineering GmbH, die besondere Bedeutung
verbesserter Karrierebedingungen für Frauen: „Für Unternehmen wie die
Bosch Engineering GmbH ist die Erhöhung des Frauenanteils von
strategischer Bedeutung, um die Vorteile von gelebter Vielfalt – z.B.
die höhere Innovationskraft – nutzen zu können und den sich
verschärfenden Fachkräftemangel aufzufangen.“
Den Abschluss und gleichzeitig den Höhepunkt der Veranstaltung stellte
eine Podiumsdiskussion zum Thema „Frauen in Karriere – ein strategisches
Thema für das Unternehmen der Zukunft“ dar: Moderiert von Prof. Dr.
Rainer Trinczek (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg)
diskutierten hochrangige VertreterInnen von Vorreiterunternehmen,
Mechthilde Maier (Leiterin Group Diversity Management des Konzerns
Deutsche Telekom AG), Barbara Fischer (Head of Business Administration
and Controlling, Siemens AG), Juanita Jordan (Personalleiterin, Bosch
Engineering GmbH), Barbara Althoff-Simon (Executive Vice President,
Corporate Officer, SAP AG) und Andrei Frömmer (Abteilungsleiter
Führungskräfteentwicklung und -betreuung, Deutsche Postbank), mit PD Dr.
Andreas Boes (Vorstand ISF München) und mit Christiane Benner
(geschäftsführendes Vorstandsmitglied, IG Metall Vorstand).
Die Ergebnisse der Veranstaltung werden für die Öffentlichkeit dokumentiert, unter anderem auf der Webseite des Projekts: http://www.frauen-in-karriere.de
Das Projekt „Frauen in Karriere“ wird vom Bundesministerium für Bildung
und Forschung im Themenschwerpunkt „Frauen an die Spitze“ im Rahmen des
Förderbereichs „Strategien zur Durchsetzung von Chancengleichheit für
Frauen in Bildung und Forschung" gefördert und vom Europäischen
Sozialfonds der Europäischen Union kofinanziert.
PD Dr. Andreas Boes, Dr. Kira Marrs, Dr. Tobias Kämpf, ISF München,
Jakob-Klar-Str. 9, 80796 München, +49 (0) 89 272921-0,
andreas.boes@isf-muenchen.de
Prof. Dr. Rainer Trinczek, Dipl.-Pol. Anja Bultemeier, FAU
Erlangen-Nürnberg/ Institut für Soziologie, Kochstrasse 4, 91054
Erlangen, +49 (0) 9131 85-22084,
rainer.trinczek@soziol.phil.uni-erlangen.de
(Redaktion)
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Tags:- Karrierechancen
- Wirtschaft
- Veränderungen
- Skeptiker

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