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 22.03.2017  

Kamingespräch
Christian Lindner: "Das Zeitalter der Raute ist vorbei"

"Wäre die FDP in der Bundesregierung, dürfte bis zum Abschluss der Abstimmung kein türkischer Redner in unserem Land auftreten!" Applaus für Christian Lindner, der klare und deutliche Worte zu den Nazi-Vorwürfen des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan und seiner Gefolgsleute sagte. Der Chef der Freien Demokraten war Gast beim "Kamingespräch" des PepperMINT-Netzwerks für die Förderung des weiblichen Führungs-Nachwuchses und des Wirtschaftsclub Köln in der Privatbank Merck Finck.

Lindner kritisierte, dass sich die Repräsentanten der Großen Koalition bisher nicht eindeutig zu den Beleidigungen vom Bosporus geäußert hätten. "Und es ist weiter ein Fehler, die türkische Opposition nicht in ihrem Kampf für die Erhaltung der Demokratie zu unterstützen", fügte er hinzu.

Nach dieser scharfen Kritik der Politik von CDU und SPD gegenüber der Türkei fand Lindner ähnliche Argumente gegen den "Wünschelrutengänger" Martin Schulz sowie die neuen Rezepte der Sozialdemokraten für die Wirtschaft sowie gegen Angela Merkel. "Das Zeitalter der Raute ist vorbei", rief der FDP-Mann, der für seine Partei wieder den Einzug in den Bundestag erkämpfen will.

Den geladenen Gästen dieses Kaminabends in der noblen Bank, u. a. Alt-OB Fritz Schramma, IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt und Dr. Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Köln, stellte Karin Bäck, Gründerin und Vorsitzende des PepperMINT-Netzwerks, Christian Lindner mit einem aktuellen Zitat aus der "Wirtschaftswoche"  vor: "Er ist der Prototyp des modernen Redners". Frei sprechend und pointiert formulierend brachte Lindner  seine Thesen und Forderungen an das Auditorium. So schlägt er nach den schlechten Erfahrungen mit der Türkei als EU-Beitrittskandidat vor, bei weiteren Ländern, die Mitglieder der Gemeinschaft werden wollen, zunächst deren "Beitrittsfähigkeit" zu checken.

Mit einem klaren Nein konterte Lindner die neuen Ideen der SPD zur Sozialpolitik wie z. B. das Arbeitslosengeld Q. "Man muss mehr Geld in die Bildung der Jungen investieren - nicht einem Überfünfzigjährigen den dritten Gabelstaplerführerschein finanzieren oder eine weitere Schulung für das Verfassen von Bewerbungen", fordert er. Statt solcher Maßnahmen müsse man Minijobbern und Hartz IV-Aufstockern mehr Chancen lassen, wieder Geld zu verdienen. Denn "wer jetzt als 450-Euro-Mitarbeiter mit Eigeninitiative ein paar Euro mehr verdienen möchte, kann dieses zusätzliche Einkommen nicht behalten. Es wird angerechnet auf die Hartz-Zahlungen."

Musik für die Ohren von Marc E. Kurtenbach, Präsident des Wirtschaftsclubs Köln und als Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung der Privatbankiers Merck Finck Gastgeber der Veranstaltung, ist der Vorschlag des FDP-Politikers, die Vermögensbildung der jungen Generation stärker zu fördern.

"Man muss wieder Maß halten bei den Steuern und  Sozialabgaben im Angesicht der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank. Und muss dem Nachwuchs mehr Chancen bieten, aus eigener Kraft Immobilien oder anderen Besitz zu erwerben und zu behalten."

Bei einem Blick über die Grenze warf Lindner dem neuen SPD-Vorsitzenden und -Kanzlerkandidat Martin Schulz vor, er wolle die Politik des französischen Staatspräsidenten Hollande in Deutschland realisieren, für die sein „Freund“ gerade abgewählt würde. „Schulz war als Präsident des EU-Parlaments einer der ersten, der Hollande damals gratuliert hat“. Lindner sieht eher den jungen, unabhängigen Emanuel Macron als Vorbild, der gute Chancen hat, nächster Präsident der „Grande Nation“ zu werden.

Ulrich Gross


 

(Redaktion)

  • Tags:
  • Kamingespräch
  • Lindner
  • FDP

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Antonie Schweitzer

 



 
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