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 05.12.2018  

Finanzbranche
Sind Frauen die besseren Investoren?

Beim Thema Geld scheiden sich oftmals die Geschlechter. Während speziell in der Nachkriegszeit die Finanzbranche (wie die gesamte Arbeitswelt) von Männern dominiert war, hat sich in den letzten 70 Jahren doch einiges getan. Allerdings sind die Geschlechterrollen immer noch ungleichmäßig verteilt.

Und so stellt sich die Frage auch für die Finanzbranche – in der immer noch überwiegend Männer arbeiten – ob ein wenig mehr weiblicher Einfluss gut wäre, und ob Frauen vielleicht sogar die besseren Investorinnen sind.

Immer mehr Start-ups wollen Frauen überzeugen, dass sie ihr Geld investieren sollen

In den Büros der Vermögensverwalter und Banken befinden sich fast nur Männer. Auch in den Vorständen diverser Finanzinstitute bestimmen die Herren, wie es weitergeht - auch in vielen Familien geben die Männer den Ton an, wenn es um das Geld geht. Der Umstand, dass die Frauen ein Vermögen von rund 5 Billionen US Dollar besitzen, geht immer wieder unter. Zudem sind 90 Prozent der Frauen einmal in ihrem Leben in einer Phase, in der sie selbst entscheiden, wofür das Geld verwendet wird - etwa, weil sie erst später heiraten, sich von ihrem Mann scheiden lassen oder am Ende den Partner überleben. Und auch wenn Frauen über genug Geld verfügen, so wird dennoch unterdurchschnittlich wenig investiert.

In den letzten Jahren haben zahlreiche Start-ups das Licht der Welt erblickt, die den Frauen unter die Arme greifen wollen, wenn es darum geht, wie man das Geld richtig anlegt. Ein solches Start-up ist Ellevest, das von Sallie Kravcheck, einer Wall Street-Branchengröße, im Jahr 2014 gegründet wurde. Kravcheck war CEO bei den Banken Bank of America und Citigroup und kennt die größte Schwäche der Finanzindustrie - es gibt eindeutig zu wenige Frauen. „Zu sagen, Frauen haben kein Interesse, stimmt einfach nicht“, so Kravcheck. „Die Finanzindustrie ist einfach nicht in der Lage, dass so agiert wird, dass sich die Frauen auch angesprochen fühlen. Warum auch? Von fünf Finanzberatern sind vier männlich. Zudem wird die Finanzindustrie von Vokabular wie Gebärden aus Krieg und Sport geprägt.“

Bei Kravchecks Start-up handelt es sich um eine digitale Investmentplattform für Frauen. So sollen hier Frauen beraten werden, wie sie erfolgreich ihr Geld anlegen und verwalten können. Denn bevor Frauen ihr Geld investieren - auch das haben einige Studienergebnisse gezeigt -, möchten sie einen Einblick haben und die Materie verstehen. Männern investieren eher nach dem „Learning by doing“ Prinzip und analysieren Ihre Investmententscheidungen wenn überhaupt im Nachgang.

Das Hormon Testosteron sorgt für den Unterschied

Geht es um die Risikobereitschaft, so denken Frauen also ganz anders als Männer. Das weiß auch Kajanga Kulatunga, der bei der in Australien ansässigen Vermögensverwaltung „nab asset managment“ den Bereich „Behavioral Investing“ leitet und im Zuge einer Studie der Frage nachgegangen ist, ob Männer und Frauen anatomische Unterschiede im Gehirn haben, die dann eine Rolle spielen, wenn es um das Investieren geht. Das Ergebnis war überraschend. „Wir haben herausgefunden, dass es wirklich unterschiedliche Regionen gibt, die im Zuge eines Investments aktiv werden. Das ist auch der Grund, warum Männer ein höheres Risiko eingehen“, so Kulatunga.

Ein weiterer Aspekt, der aber nicht außer Acht gelassen werden darf, ist die Männlichkeit, die den Männern - beinahe schon im wahrsten Sinne des Wortes - im Weg ist. Die Rede ist vom Hormon Testosteron. Das Sexualhormon sorgt dafür, dass Männer schnellere Entschlüsse fassen - Zweifel werden also ignoriert. Im Rahmen einer Studie hat eine Anlegergruppe Testosteron erhalten, die andere Gruppe hat Placebos bekommen. Das Resultat?

Die Gruppe, die mit dem Sexualhormon versorgt wurde, neigte zu Selbstüberschätzung und ließ sich häufiger von Fangfragen in die Irre führen. Ein Beispiel: Kosten ein Baseballschläger und ein Baseball gemeinsam 1 US Dollar und 10 Cents, wobei der Schlager um einen US Dollar teurer als der Baseball ist, wie viel muss für den Ball bezahlt werden? Kommt man hier nicht auf den Betrag von 5 Cent, so kann dem Testosteron dafür eine Mitschuld gegeben werden.

Jene Gruppe, die nur mit Placebos versorgt wurde, konnte am Ende weitaus mehr Fragen richtig beantworten. „Das Sexualhormon vermittelt das instinktive Gefühl, dass man schon richtig liegen wird“, so die Forscher. „Man denkt weniger über Entscheidungen nach, da man auch weniger nachrechnet.“ Wird berücksichtigt, dass die Produktion des Sexualhormons in den Hoden stattfindet, so kann gesagt werden, dass sich der Mann also wirklich von seinem Geschlecht leiten lässt.

Zahlreiche Studien legen nahe, dass Frauen die besseren Investoren sind

Auch wenn es schon genügend Beweise gibt, die allesamt besagen, dass die Frauen bessere Investoren sind, so wissen sie das oft selbst nicht. Die Frauen glauben nämlich den Mythos, dass Männer besser mit Geld umgehen können und wollen daher gar nicht erst das Geld in die Hand nehmen, das in weiterer Folge investiert wird. Wohl auch deshalb, weil sich viele Frauen gar nicht mit der Finanzwelt befassen, weil - wie schon Kravcheck meinte - vorwiegend Männer angesprochen werden sollen. Ob die neugegründeten Start-ups auch für ein neues Bewusstsein sorgen werden?


 

(Redaktion)

  • Tags:
  • Geld
  • Finanzbranche
  • Geschlechterrolle

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