Universität Bayreuth
Neue Erkenntnisse der Bor-Forschung
Die jetzt in "Scientific Reports" veröffentlichten Forschungsergebnisse bilden u.a. eine Grundlage, um Alpha-Bor-Einkristalle im Industriemaßstab mit Hochdrucktechnologien herzustellen. Damit eröffnen sich neue Perspektiven für industrielle Anwendungen, insbesondere für die Halbleiter-Industrie und die Gewinnung von Solarstrom.

Prof. Dr. Natalia Dubrovinskaia und Prof. Dr. Leonid Dubrovinsky, Universität Bayreuth, mit ihren Doktoranden Gleb Parakhonskiy (links) und Elena Bykova (rechts). Beide nehmen am Promotionsprogramm "Experimental Geosciences" der BayNAT teil, der Bayreuther Graduiertenschule für Mathematik und Naturwissenschaften.
Lange Zeit war die Wissenschaft uneins über eine für die
Grundlagenforschung und ebenso für technologische Anwendungen
hochrelevante Frage: Welches ist die stabilste Bor-Phase? Ein Team um
Prof. Dr. Natalia Dubrovinskaia, Heisenberg-Professorin für
Materialphysik und Technologie an der Universität Bayreuth, und Prof.
Dr. Leonid Dubrovinsky am Bayerischen Geoinstitut (BGI) hat diesen
Streit jetzt eindeutig zugunsten von Alpha-Bor entscheiden können.
Während gemeinsamer Forschungsarbeiten in Bayreuth, in die auch das
GeoForschungsZentrum Potsdam einbezogen war, stellte sich überdies
heraus: Moderne Hochdruck-Technologien können voraussichtlich so
angepasst werden, dass es möglich ist, Alpha-Bor im Industriemaßstab zu
produzieren. Über diese Erkenntnisse berichten die Wissenschaftler aus
Bayreuth und Potsdam in der neuesten Ausgabe von "Scientific Reports".
In den Hochdrucklaboratorien des BGI – einem Forschungszentrum der
Universität Bayreuth – wurde eine Serie unterschiedlicher Borkristalle
synthetisiert, bei Temperaturen bis zu 2300 Kelvin (ca. 2030 Grad
Celsius) und Drücken bis zu 15 Gigapascal. Ein Vergleich zeigt die
Außergewöhnlichkeit dieser künstlich erzeugten Bedingungen: Würde man
den Pariser Eiffelturm auf einer Fingerspitze balancieren, entspräche
das einem Druck von 10 Gigapascal. Borkristalle der Alpha-Phase
entstanden im BGI bei Drücken zwischen 4 und 11 Gigapascal, die mit
Temperaturen zwischen 1400 und 1900 Kelvin einhergingen. Die
experimentell gewonnenen Daten führten zu dem Ergebnis, dass diese
Alpha-Borkristalle – und nicht, wie vielfach vermutet, Beta-Borkristalle
– die stabilste Bor-Phase darstellen.
Zugleich gelang es den Forschern, die im Labor synthetisierten
Alpha-Borkristalle genauer zu charakterisieren. Eine Reihe von
Eigenschaften, die für technologische Anwendungen besonders relevant
sind, wurden durch hochpräzise Messungen entweder bestätigt oder
erstmals zuverlässig nachgewiesen: Alpha-Bor ist ein Halbleiter mit
breiter direkter Bandlücke, zeichnet sich durch einen außerordentlichen
Härtegrad aus, ist hitzebeständig und vergleichsweise leicht.
Von besonderem Interesse für die Forschung und für industrielle
Anwendungen sind Bor-Einkristalle. Einkristalle sind Festkörper mit
einer durchgängigen Kristallstruktur, die von inneren Bruchstellen frei
ist und daher keine sogenannten Korngrenzen aufweist. Eine derartige
fehlerfreie Struktur kann einem Einkristall einzigartige mechanische,
optische und elektrische Eigenschaften verleihen. Diese Eigenschaften
machen Einkristalle zu wertvollen Bestandteilen von Juwelen. Vor allem
aber können sie für technologische Anwendungen, insbesondere auf den
Gebieten der Optik und der Elektronik, industriell genutzt werden.
Vertiefte Forschungsarbeiten zu den Anwendungspotenzialen von Alpha-Bor
wurden bislang dadurch erschwert, dass es kein zuverlässiges Verfahren
gab, um Alpha-Bor-Einkristalle zu synthetisieren. Dieses Hindernis ist
jetzt ausgeräumt. Der in "Scientific Reports" veröffentlichte Beitrag
enthält ein Phasendiagramm, das Stabilitätsfelder der Borphasen mit
unterschiedlichen Eigenschaften und Strukturen abbildet. Damit liegt
jetzt eine Anleitung für die gezielte Herstellung von Borkristallen vor,
einschließlich von Alpha-Bor-Einkristallen.
Die an der Universität Bayreuth erzielten Forschungsergebnisse
erschließen so die Möglichkeit, Borkristalle für innovative Anwendungen
in verschiedenen Technologiezweigen nutzen zu können. Insbesondere für
die Halbleiter-Industrie ist das voraussichtlich im Industriemaßstab
produzierbare Alpha-Bor ein hochattraktiver Werkstoff. Zudem eignet es
sich möglicherweise für den Bau von Solarzellen, die mit hoher Effizienz
das Sonnenlicht in elektrische Energie umwandeln.
Veröffentlichung:
Gleb Parakhonskiy, Natalia Dubrovinskaia, Elena Bykova,
Richard Wirth, Leonid Dubrovinsky,
Experimental pressure-temperature phase diagram of boron:
resolving the long-standing enigma,
in: Scientific Reports (2011), 1 : 96,
DOI-Bookmark: 10.1038/srep00096
Veröffentlicht am 19. September 2011, siehe:
http://www.nature.com/srep/2011/110919/srep00096/full/srep00096.html
Ansprechpartner für weitere Informationen:
Prof. Dr. Natalia Dubrovinskaia
Universität Bayreuth
D-95440 Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 55-3880
E-Mail: natalia.dubrovinskaia@uni-bayreuth.de
(Redaktion)
| Tweet |
Tags:- Bor-Einkristalle
- Hochdrucktechnologie
- Solarstrom
Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Prof. Dr. Natalia Dubrovinskaia

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik
MINT-Berufe, -Studiengänge, -Karrieren, -Aktionen stehen seit einem Jahr im Fokus unserer Recherchen.
Übersicht aller bisherigen MINT-Beiträge, Beiträge zu Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik

© fotolia.com
Informationen zu Vorteilen, Nutzen, Kosten einer Premium-Mitgliedschaft und Anmeldung finden Sie hier
- 15.05.
10:05 - 10.05.
22:39 - 27.04.
10:34 - 25.04.
13:07 - 25.04.
10:56 - 24.04.
16:56 - 24.04.
16:36
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
- 6
- 7
- 23.05.
- 23.05.
- 23.05.
- 18.05.
- 17.05.
- 17.05.
- 15.05.
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
- 6
- 7

Mit einem Klick Zugriff auf tausend Tipps, Ideen und Anregungen für die berufliche Karriere. Dazu filtern wir aus der tagtäglichen Informationsflut das heraus, was wichtig ist, wir verfolgen gesellschaftspolitische Strömungen, wir vertiefen Wissen zu Branchen und zukunftsgerichteten Berufen, wir fragen nach bei erfolgreichen Frauen und Unternehmen, wir berichten über das Neueste aus Wissenschaft, Forschung und Netzwerken und wir bieten ein Forum für Kompetenz. Kurzum: Career-Women.org hat sich zum Google für Frauen und Karriere entwickelt.

Letzter Beitrag: Schneewittchen und der Frauen-Karriere-Index
Alle Beiträge zu Trends aus Wirtschaft, Politik und Medien mit Fokus auf Frau und Karriere aus dem Blickwinkel von Chefredakteurin Karin Bäck.



