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Starke Frau in der Automotiv-Branche

, 02.11.2010 17:45 Uhr (Karin Bäck)

Auch ohne Studium lässt sich Karriere machen. Sibylle Büttner ist der beste Beweis dafür. Sie begann nach dem Abitur eine Lehre im Rechnungswesen und zeichnet inzwischen verantwortlich für Entwicklung und Produktion von Sensoren für die Automobilindustrie. Interview mit Sibylle Büttner

Die Karriere von Sibylle Büttner, 46, verheiratet und zwei Kinder, ist in jeder Beziehung bemerkenswert. Nach diversen Finanz-Management-Funktionen im Automobiltechnikbereich der Siemens AG und der Siemens VDO Automotive AG übernimmt sie 2005 die Verantwortung für die Produktion und Entwicklung von Sensoren mit 200 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von 30 Mio. Euro. Nach der Übernahme der VDO Automotive-Sparte durch die Continental AG heißt das Unternehmen nunmehr Continental Automotive. Zur neuen Aufgabe zählt die Gestaltung von Prozessen nach Lean Manufacturing, Lean Thinking und Lean Culture. Die Zertifikate dazu hat sie u.a. an der University of Michigan, USA erworben. Zu Beginn dieses Jahres macht sie den nächsten Karrieresprung nach oben. Die Continental Teves AG & Co. oHG, führender Automobilzulieferer für Scheibenbremsen, befördert sie zur Chefin der Program Management Chassis Sensors Unit.


Career-Women.org: Nach dem Abitur entschieden Sie sich für eine "Stammhauslehre" bei einem der weltweit größten Elektronik-Konzerne mit Schwerpunkt Finanzen und Controlling. Hatten Sie bereits zu diesem Zeitpunkt das Ziel, Karriere zu machen?

Sibylle Büttner: Nun, Karriere zu machen hatte ich natürlich als Ziel. Mein Arbeitgeber hat immer wieder propagiert, dass in diesem Programm der Führungsnachwuchs und die zukünftigen Top-Führungsleute herangebildet werden. Ein "Stammhauslehrling" konnte zu damaliger Zeit auch Vorstandsmitglied werden - ohne Studium.

Career-Women.org: Ihr damaliger Arbeitgeber hat Sie zu diversen Führungs- und Fachseminaren u.a. nach England und USA geschickt. Basierte dieses Angebot auf einer systematischen Personalentwicklungs-Maßnahme oder verlangte es viel Eigeninitiative?

Sibylle Büttner: Die erste Entsendung war firmenseitig straff organisiert und zentral geplant, denn diese war Bestandteil der Stammhauslehre + erster erfolgreicher Job + Entsendung in das sog. Informationsjahr. Dies war und ist ein gezieltes Traineejahr mit theoretischer Vorbereitung aller Trainees im zentralen Bildungszentrum in Berlin plus Entsendung in einen ausländischen Standort, von Kanada bis Australien, von Brasilien bis Japan. Nun, auf mich hatte eine Aufgabe in England gewartet und ich habe diese Zeit sehr genossen.
Die zweite Entsendung beruhte auf meiner Initiative und einer beispielhaften Unterstützung durch meinen damaligen Chef. Ich hatte ihm mitgeteilt, dass ich bei meinem zweiten Kind nur 4 Monate Erziehungszeit nehmen würde und dann gerne sofort im Anschluss ins Ausland gehen möchte. Er hat mich in dieser Aussage und meinem Commitment ernst genommen und mir die Entsendung nach USA ermöglicht.

Career-Women.org: Seit Anfang des Jahres sind Sie "Head of Program Management Chassis Sensors". Welche Aufgaben sind mit dieser Führungsposition verbunden?

Sibylle Büttner: Ich bin sozusagen ein "Produktmanager", der für ein definiertes Produktsegment die komplette Verantwortung hat von der Entwicklung neuer Produkte, der Akquise von Aufträgen, der Industrialisierung der Produkte, kontinuierliches Change Management bis hin zu deren Serienauslauf in den Ersatzteildienst. "Chassis Sensors", also Sensoren, werden für die Fahrwerksregelung oder auch Leuchtweitenregelung benötigt.

Career-Women.org: Bei Ihrem ersten Kind haben Sie noch eine fast zwei-jährige Elternzeit in Anspruch genommen, beim zweiten Kind nur noch vier Monate. Was war der Grund?

Sibylle Büttner: Beim ersten Kind war mein Mann noch berufstätig und ich habe mich sehr über die erste Erziehungszeit, diese durchaus schöpferische Pause nach immerhin schon 12 Berufsjahren sehr gefreut. Auch als mein Mann durch den Konkurs seiner Firma arbeitslos wurde, wollte ich nicht früher in den Job zurückkehren und die Zeit mit unserem Sohn genießen. Dann allerdings haben wir den Rollentausch komplett vollzogen. Aus diesem Grund und wegen der geplanten Auslandsentsendung habe ich beim zweiten Kind eine kürzere Erziehungszeit gewählt.

Career-Women.org: Sind Sie zufrieden mit Ihrer bisherigen Karriere oder würden Sie aus heutiger Sicht einiges anders machen?

Sibylle Büttner: Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf meiner Karriere. Vor allem auch aus dem Grund, weil ich mit einer typisch betriebswirtschaftlichen Karriere meine ersten 20 Berufsjahre ausgefüllt habe und es mir dann ermöglicht wurde, zuerst in Operations, also Leitung einer Produktionsstätte, und jetzt in das Programm/Produkt Management zu wechseln. Ich bin meinen für diese Karriereschritte verantwortlichen Chefs sehr dankbar und über allem natürlich meinem Mann, der mir mit seinem Einsatz für die Familie diesen Freiraum und den nötigen Arbeitseinsatz für die beruflichen Ziele überhaupt ermöglicht hat.


 

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