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Frauenpower gegen männliche Zukunftsverweigerung?

, 10.06.2010 11:15 Uhr (Redaktion)

Newsmax Pressemeldung: Vorwiegend männliche Bürgermeister, Landeshauptleute und Parlamentarier bestimmen in Österreich wer, wo, wann, wie oft und wie lange in welchen Kindergärten betreut wird - und auch mit welcher pädagogischen Ausbildung die Bildung und Betreuung unserer Kinder gewährleistet sein soll.

Statistik Austria veröffentlicht die Kindertagesheimstatistik 2009/2010

Drei weibliche Regierungsmitglieder - Staatssekretärin MAREK (VP), Ministerin HEINISCH-HOSEK (SP) und Ministerin SCHMIED (SP) - sind sich darin einig, dass sich Investition in „Frühe Bildung“ auszahlt: Seit 2008 werden den Ländern zusätzliche finanzielle Mittel für die Errichtung und Qualitätssicherung von elementaren Bildungseinrichtungen zur Verfügung gestellt. Einige Bundesländer sind im Abholen der Mittel säumig.

Die neue Wissenschaftsministerin Beatrix Karl verstärkt das bisherige weibliche Trio auf Bundesebene mit der Forderung nach Eingliederung der elementaren Bildung in das bundesweite Bildungssystem.

Die Sozialpartener - Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund, Industriellenvereinigung, Landwirtschaftskammer, Wirtschaftskammer - sind sich darin einig, dass sich Österreich Bildung leisten kann - und leisten muss.

Von seiten mancher Politiker kommen jedoch Stimmen, die einen Bildungsrückbau fordern: von bisher ausschließlich männlichen Poltikern in Bund, Land und Gemeinden...

Erfreulicher Anstieg der Kinderbetreuungsplätze in Frage gestellt?

Die Bemühungen des "Frauenquartetts" der österreichischen Bundesregierung führten österreichweit zu einem beträchtlichen Anstieg von Kindergartenplätzen und damit zur Erhöhung der Betreuungsquoten.

Bei den 3-Jährigen von 53,4 Prozent im Jahr 1999 auf mittlerweile 77,7 Prozent.
Bei den 4-Jährigen wurde in den letzten zehn Jahren eine Steigerung von 84,0 auf 93,8 Prozent verzeichnet,
bei den 5-Jährigen von 90,2 auf 93,9 Prozent.

Im Bundesländervergleich liegt das Burgenland bei den drei bis 5-Jährigen mit einer Betreuungsquote von 99,5 Prozent vor Niederösterreich mit 93,4 Prozent an der Spitze. Das Schlusslicht bildet Kärnten mit 81,3 Prozent.

Bei den 0- bis 2-jährigen Kindern liegt zwar nach wie vor Wien mit einer Betreuungsquote von 26,8 Prozent voran, das Burgenland hat sich hier aber mit einer rasanten Steigerungen um 6,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr auf 23,5 Prozent auf Platz zwei vorgearbeitet. Am Ende der Liste findet sich hier die Steiermark mit einer Quote von 7,7 Prozent.

Ein guter Weg wurde eingeschlagen und darf durch vordergründige Spardiskussionen nicht in Frage gestellt wern. Im nächsten Schritt muss aber die Qualität der Betreuung verbessert werden.

Mehr und besser ausgebildetes Personal sowie kleinere Gruppen sind notwendig, um die Bildungs- und Erziehungsziele, wie sie im neuen bundesweit gültigen Bildungs-Rahmenplan vorgesehen sind, umsetzen zu können.

Wenn nicht in die Qualität der Einrichtungen investiert wird, werden all jene Kräfte recht bekommen, die bisher schon vor zu früher „Verschulung“ als missverstandene Bildung im Kindergaren warnten und die nach wie vor die Familie als die beste Bildungseinrichtung für Kinder bis zum 5.Lebensjahr sehen.

Wenn nicht in die zukünftige Ausbildung von KindergartenpädagogInnen investiert wird, werden weiterhin Scharen von AbsolventInnen die Flucht aus dem Berufsfeld antreten und es wird zwar genügend Kindergartenplätze geben, aber kein Personal.
Für all diese Maßnahmen braucht es weitere zusätzliche finanzielle Mittel.

Überwiegend Männer bestimmen das weitere Schicksal der Kindergärten.

Die inhaltlichen und finanziellen Forderungen zur Qualitätsanhebung in den Elementareinrichtungen liegen längst – untermauert von vielen Studien - auf den Tischen der politisch Verantwortlichen:
- in 4 Ministerien, bei vier Frauen (2 SPÖ und 2 ÖVP)
- bei 9 Ländern, davon 1 Frau
- bei 2.357 Bürgermeistern, davon 4,7% Frauen.

Der Kindergarten ist Ländersache und der Großteil der öffentlichen Einrichtungen wird von den Gemeinden (98,7%) erhalten.

Die Chefs dieser Kindergärten sind die Bürgermeister.
Landeshauptleute und Bürgermeister jammern öffentlich über leere Budgetsäckel; Einsparpotential wird gesucht.

Da bietet sich der Kindergarten gut an, denn mit viel Widerstand ist nicht zu rechnen. Zu tief verwurzelt sind die Bilder von der Mutter, die ihre Kinder bis zum 5. Lebensjahr zu Hause erzieht und betreut - und vom ganztägigen Kindergarten als „Ersatzeinrichtung“ für jene Kinder, deren Mütter sich das nicht leisten können oder wollen.

Was nützt es, dass Frauen heute besser ausgebildet sind denn je, dass Wirtschaftsfachleute aus Wissenschaft und Praxis feststellen, dass die Wirtschaft es sich nicht leisten kann, auf Frauen zu verzichten und dass in zahlreichen Studienergebnissen, die Bedeutung von Früher Bildung als Schlüsselfaktor für den späteren Lern- und Lebenserfolg von Kindern belegt werden.

Erforscht ist genug – jetzt muss gehandelt werden!

Expertisen und Studienergebnisse in großer Anzahl werden noch lange gut in den Schubladen liegen, wenn die verantwortlichen PolitikerInnen es nicht schaffen dass eine überregionale und überministerielle
Steuerungs-Abteilung für das elementare Bildungswesen geschaffen wird. Eine Abteilung, die Angebot, Nachfrage und Bedürfnisse aller nationalen, regionalen und/oder lokalen Einrichtungen für Kinder zusammenführt.

Um frühkindliche Bildung in Österreich nachhaltig in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft zu verankern muss ein interdisziplinäres Netzwerk mit PartnerInnen aus Forschung, Praxis, Politik und Gemeinwesen aufgebaut werden.

Kurzsichtige Budgetkürzung über alle Bereiche kostet Arbeitsplätze, vergrößert die Defizite in den Bereichen Forschung, Kinderbetreuung und Bildung, vermindert massiv die Zukunftschancen unserer Kinder, unseres Landes!

Die Kinder dürfen nicht als Hauptverlierer der Finanzkrise dastehen!

Johannes-Maria Lex (Öffentlichkeitsarbeit)
Plattform EduCare
Krausegasse 7a/10
1110 Wien
Tel. +43 (1) 7485469

www.plattform-educare.org


 

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