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 26.12.2010  

Arbeitsmarkt
Akademikerinnen erobern langsam Männerdomänen

Statistisches Bundesamt... Während Männer nur selten in typische Frauenberufe vordrangen, hat sich der Frauenanteil zumindest in einigen eher männlich geprägten Berufen etwas erhöht. Dies gilt etwa für Rechtsanwälte und andere Justizberufe, wo die Frauen ihren Anteil um 9 Prozentpunkte auf 39% steigern konnten. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei akademischen Berufen (plus 8 Prozentpunkte) sowie bei den Ärzten (plus 3 Prozentpunkte).

Die Erwerbsbeteiligung von Mann und Frau gleicht sich immer mehr an. Im Jahr 2009 kamen auf 100 Erwerbstätige 46 Frauen. Dies entspricht zwar noch nicht ganz ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung – hier kamen auf 100 Personen 51 Frauen, dennoch ist der Anteil der Frauen an den Erwerbstätigen im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte kontinuierlich gestiegen, und zwar von 41,6% im Jahr 1991 auf 45,8% im Jahr 2009.
 
Die steigende Teilhabe von Frauen am Erwerbsleben lässt aber nur bedingt Rückschlüsse darauf zu, ob es Frauen auch gelingt, in traditionell männlich dominierte Bereiche vorzudringen. Trotz Programmen wie dem seit dem Jahr 2001 angebotenen „Girls Day“ unterscheidet sich die Berufswahl von Frauen und Männern nach wie vor deutlich. Dieser Beitrag stellt die klassischen Frauen- und Männerdomänen im Jahr 2009 vor und geht der Frage nach, in welchen Bereichen es Frauen und Männern gelingt, jeweils vom anderen Geschlecht dominierte Berufsfelder zu besetzen. Basis der Auswertungen sind die Ergebnisse des Mikrozensus der Jahre 2000 und 2009.
 

Männer und Frauen nach wie vor mit sehr unterschiedlichen Berufen

Trotz aller Anstrengungen zur Gleichstellung der Geschlechter gilt: Männer und Frauen üben sehr unterschiedliche Berufe aus, sei es wegen unterschiedlicher Neigungen oder weil der Weg in bestimmte Berufe wegen des Geschlechts erschwert wird. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen überwiegen Berufsgruppen, die stark von einem der Geschlechter dominiert sind. So war 2009 fast jeder zweite Mann (49%) und mehr als jede dritte Frau (36%) in einer Berufsgruppe mit einem jeweiligen Geschlechteranteil von über 80% tätig. Nur etwa jede fünfte Frau sowie etwa jeder fünfte Mann übte im Jahr 2009 einen Beruf aus, in dem das Geschlechterverhältnis in etwa ausgeglichen war. Um die beruflichen Domänen von Männern und Frauen darzustellen, werden hier Berufe mit einem hohen Anteil von Männern und Frauen betrachtet.
 

Bau, Maschinenbau und Transport fast eine reine Männerwelt

Männerdomänen sind zunächst vor allem körperlich beanspruchende Bauberufe. Spitzenreiter sind die Hochbauberufe mit einem Anteil 99,6% Männern. Aber auch Berufe des Metallbaus, Bergleute, Berufskraftfahrer sowie Elektroberufe waren stark von Männern dominiert. Hier lag der Männeranteil im Jahr 2009 jeweils deutlich über 90%.
 
Etwas geringer, aber mit  Männeranteilen von über 80% immer noch sehr ausgeprägt ist die männliche Dominanz in Berufsgruppen wie Wach- und Sicherheitsberufen, bei Ingenieuren, Chemikern, Physikern und Mathematikern sowie den Lager- und Transportarbeitern. Körperlich anstrengende Handwerksberufe wie Schreiner, Metzger und Bäcker waren im Jahr 2009 ebenso typische „Männerberufe“. Schließlich sind auch in Berufen der Landwirtschaft (68,3%) und des Gartenbaus (63,0%) Männer überproportional häufig vertreten.
 
Neben diesen durch handwerkliche und technische Schwerpunkte gekennzeichneten Berufsgruppen waren Männer schließlich auch in Berufen im Bereich der Unternehmensleitung und –beratung stärker vertreten als Frauen. Hier betrug der Männeranteil im Jahr 2009 gut 65%. Zu dieser Berufsgruppe zählen etwa Geschäftsführer und Bereichsleiter, aber auch Berufe wie Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Controller sowie Fachgehilfen in diesen Berufen. Bei den Unternehmern und Geschäftsführern betrug der Männeranteil sogar rund 75%.
 
Diagramm ausgewählte Berufe mit hohem Männeranteil; Ergebnisse des Mikrozensus 2009




Wichtig ist der Hinweis, dass auch in Berufen mit geringem Männeranteil durchaus viele Männer arbeiten können. So sind Büroberufe wie Tätigkeiten als kaufmännischer Angestellter auch unter Männern weit verbreitet. Ihr Anteil an allen Erwerbstätigen dieser Berufsgruppe lag aber nur bei einem Viertel.
 

Allein unter Frauen: Kindergarten, Kaufhaus und Friseursalon

Ebenso wie bei den Männern gibt es auch Berufsgruppen, in denen die Frauen so gut wie unter sich sind. Bei Friseur(inn)en und Kosmetiker(inne)n sowie bei Hauswirtschaftlichen Berufen kamen auf 100 Erwerbstätige zehn oder weniger Männer. Einen Frauenanteil von über 80% wiesen die Gruppen der Gesundheitsdienstberufe und der sozialen Berufe auf. Hierzu zählen etwa Krankenschwestern, Sprechstundenhelferinnen, Medizinisch-Technische Assistentinnen sowie Erzieherinnen und Altenpflegerinnen. Auch beim Verkaufspersonal und den Berufen der Gebäudereinigung kamen auf acht Frauen weniger als zwei Männer.

Diagramm ausgewählte Berufe mit hohem Frauenanteil; Ergebnisse des Mikrozensus 2009




Ebenfalls stark weiblich dominiert sind die Büroberufe mit einem Frauenanteil von rund drei Vierteln. Innerhalb dieses Bereichs waren insbesondere Schreibkräfte und Assistenztätigkeiten fast komplett in Frauenhand. Ein starkes weibliches Übergewicht findet sich schließlich auch bei den Hotel- und Gaststättenberufen. Hier betrug der Frauenanteil 66%.
 

Berufe nur selten mit ausgeglichenen Geschlechteranteilen

In einigen Berufen lagen im Jahr 2009 die jeweiligen Geschlechteranteile zwischen 40% und 60% und damit im Bereich einer in etwa hälftigen Aufteilung zwischen den Geschlechtern. Ein nahezu ausgeglichenes Geschlechterverhältnis findet sich in Berufen im Groß- und Einzelhandel im Einkauf sowie in Banken und Versicherungen. Keine größeren Unterschiede gibt es zudem bei akademischen und künstlerischen Berufen sowie den Ärzten. Ferner sind die Abweichungen gering bei Köchen/Köchinnen.
Diagramm ausgewählte Berufe mit ausgeglichenem Geschlechteranteil; Ergebnisse des Mikrozensus 2009




Nur bei einem Fünftel der erwerbstätigen Männer und Frauen sind die Geschlechteranteile etwa gleich.

Berufliche Gleichstellung – nur langsam und punktuell

Die beruflichen Bastionen von Frauen und Männern erweisen sich im Zeitablauf als sehr stabil. Ein Vergleich der Ergebnisse für die Jahre 2000 und 2009 zeigt eine Annäherung des Geschlechterverhältnisses nur in einzelnen Bereichen. Auch wo es zu einer Annäherung kommt, fallen die Veränderungen meist sehr moderat aus. Hierbei spielt eine Rolle, dass der Beruf nur selten gewechselt wird und die Berufswahl daher bei den meisten Erwerbstätigen schon lange zurückliegt. Zu berücksichtigen ist zudem, dass der Anteil der Frauen an den Erwerbstätigen insgesamt von 2000 (43,5%) nach 2009 (45,8%) um 2,3 Prozentpunkte angestiegen ist. Anstiege und Rückgänge verteilen sich dabei recht unterschiedlich auf einzelne Berufsgruppen.
 
Insbesondere in den ausgeprägten Männer- und Frauendomänen kommt es kaum zu Veränderungen. Bei den männlich dominierten Bau- und Handwerksberufen ist kein nennenswerter Anstieg des Frauenanteils festzustellen. Bei den weiblichen Bastionen in Büroberufen, in sozialen Berufen, Hotel- und Gaststättenberufen sowie bei Lehrern und Friseuren ist der Frauenanteil seit dem Jahr 2000 sogar teilweise noch weiter angestiegen.
 
Während Männer nur selten in typische Frauenberufe vordrangen, hat sich der Frauenanteil zumindest in einigen eher männlich geprägten Berufen etwas erhöht. Dies gilt etwa für Rechtsanwälte und andere Justizberufe, wo die Frauen ihren Anteil um 9 Prozentpunkte auf 39% steigern konnten. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei akademischen Berufen (plus 8 Prozentpunkte auf 47%) sowie bei den Ärzten (plus 3 Prozentpunkte auf 47%).
 
Eine - allerdings unterdurchschnittliche - Zunahme des Frauenanteils gab es auch in der größten Berufsposition, den Büroberufen und kaufmännischen Angestellten. Hier betrug der Anstieg des Frauenanteils seit dem Jahr 2000 gut einen Prozentpunkt auf knapp 75%.
 
Frauen dringen also in einige männlich dominierte Bereiche vor, von einem generellen Trend zu einer weniger geschlechtsspezifischen Berufswahl kann aber kaum gesprochen werden. Ob hier jeweils eher „typisch weibliche“ und „typisch männliche“ Neigungen oder erschwerte Zugangsmöglichkeiten für Frauen und Männer ausschlaggebend waren, kann anhand dieser Ergebnisse nicht eingeschätzt werden. Festzustellen ist aber zumindest, dass die weiblich dominierten Berufsgruppen häufiger durch Teilzeitarbeit, geringfügige Beschäftigung und niedrige Einkommen gekennzeichnet sind.

Weitere Informationen zu Berufen finden Sie in der Fachserie 1, Reihe 4.2.1 „Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen“ als kostenlosen Download bei unserem Publikationsservice.

 

(Redaktion)

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